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Rezension - Tribute von Panem X

Worum geht's?

 

In 12 Kurzgeschichten/Novellen zeichnet der Autor Nana Kwame Adjei-Brenyah ein überspitztes und teilweise auch grotesk anmutendes Bild der amerikanischen Gesellschaft in einem Sumpf von Rassismus und Konsumgeilheit. Die vielfältige Mischung an Storys wurde in den USA als "kraftvolles Debüt" gefeiert und lässt den Leser "the greatest nation on earth" aus einem anderen Blickwinkel entdecken.


Mein Eindruck

Willkommen zurück in der dystopischen Welt von Panem!

Ehrlicherweise bin ich mit viel Skepsis an das Buch herangegangen. Ich bin einer großer Fan der Panem-Trilogie und fand Sie so wie Sie ist gut und rund. Ein Prequel hatte ich weder erwartet noch zwingend gebraucht. Trotzdem musste ich das Buch lesen, denn:

 

Als Hauptcharakter beschert uns die Autorin niemand anderen als den allseits verhassten Präsident Snow. Nur eben nicht in der Rolle als alteingesessener Autokrat, sondern als junger Heranwachsender im Kapitol. Die Handlung spielt nämlich zu den Zeiten der zehnten Hungerspiele (wir erinnern uns: Katniss musste erstmals bei den 74. Hungerspielen in die Arena). Wir dürfen den jungen Snow also 60 Jahre vorher erleben - eine interessant Perspektive, zumal Präsident Snow in der späteren Trilogie ein durchaus interessanter Charakter ist, aber leider nur am Rande auftritt.

 

Umso mehr dürfen wir nun über ihn erfahren und ohne viel vorweg zu nehmen, die ersten charakterlichen Tendenzen zeigen in diesem Buch bereits wie er später zu Präsident Snow werden konnte. Er ist eben nicht der klassische, sympatische Held.

Und als ebendieser trifft er in seiner Rolle als ihr Mentor bei den Hungerspielen auf ein junges Mädchen aus einem der äußeren Distrikte. Das es hier gewisse Parallelen zu einer gewissen Katniss Aberdeen gibt, muss ich eigentlich nicht extra erwähnen. Obwohl das Mädchen keine "Kopie" von Katniss ist, gefällt mir dieser offensichtliche Zusammenhang nicht - es hätte sicherlich einen anderen Weg gegeben, den Hass von Präsident Snow auf die äußeren Distrikte zu begründen.

 

Das angesprochene Mädchen ist hingegen ein interessanter Charakter, der für meinen Geschmack aber zu wenig Ecken und Kanten hat und zusehr "everybody's darling" ist. Für mein Gefühl wäre hier noch mehr Platz für einen tiefere Figur gewesen. Auch wenn Sie einen willkommenen Kontrast zu kalten & grauen Welt von Panem gibt.

 

Wie bereits gesagt, die Story spielt im Rahmen der 10. Hungerspiele, die noch kein so großes Event sind, wie wir aus der Panem-Trilogie gewohnt sind. Ein interessanter und passender Ansatz, besonders da man als Leser mitverfolgen kann wie die ersten Ideen für die "uns bekannten" Hungerspiele hier gesät werden. Die Rolle des "Spielmachers" ist zwar noch nicht so prominent und wichtig, aber hier schenkt uns die Autorin eine wirklich tolle Figur, die man nach mit allem was man hat verachten kann. Grundsätzlich gibt es einige sehr interessante Nebencharaktere, die uns auch einen spannenden Einblick in das Leben im Kapitol gewähren.

 

Die Story selbst hat Höhen und Tiefen. Es gibt einige wirklich spannende Stellen, an denen man immer weiterblättern musste. An anderen Stellen plätschert es leider nur vor sich hin - und gegen Mitte des Buches hatte dieses "Plätschern" gefühlt die Überhand gewonnen. Ich habe mich an einigen Stellen tatsächlich gefragt, womit die restlichen Seiten noch sinnvoll gefüllt werden können. Es roch also nach Plot-Twist. Und der kommt auch...

 

Aber so unerwartet und plötzlich, dass ich total überrascht die Seite nochmal lesen musste um ganz sicher zu gehen. Die Autorin hat mich komplett auf dem falschen Fuß erwischt - und zwar auf eine gute Art und Weise. Der Plot-Twist ist total sinnig und absolut spannend, genauso wie man es haben möchte. Die Geschichte hatte auf einmal wieder Leben. Neue Schauplätze, neue Charaktere und neue Storylines - als wäre es ein zweites Buch :-) Man lernt Panem nochmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen. Das hat mir gut gefallen!

Bewertung

 

Ja, ich hatte es wieder - dieses "Panem"-Gefühl. Wenn man in diese dystopische Welt eintaucht und das Kapitol von ganzem Herzen hassen darf. Schön, dass es der Autorin gelungen ist dies wieder heraufzubeschwören und gleichzeitig einen anderen, neuen Blick auf das Ganze zu werfen. An manchen Stellen für mich zu lahm und im Hinblick auf "das Mädchen" deutlich zu flach - dafür aber auch mit einem tollen Plot-Twist! Man lernt mehr von Panem kennen und es gibt auf jeden Fall Potenzial für weitere Prequels oder Ähnliches :-)

7/10 Seiten 

 

Fakten

Autor: Suzanne Collins

Seitenzahl: 608

Verlag: Oetinger

ISBN: 9783789120022

 

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Einfach & genial!

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