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Rezension - Wunder

Worum geht's?

Der kleine August "Auggie" Pullmann kommt in die fünfte Klasse. Eigentlich nichts besonderes. Aber wenn man vorher noch nie auf einer Schule war? Und wenn man sein Leben lang aufgrund eines entstelltes Gesichts "anders" behandelt wurde? Wie fühlt es sich dann an? Das dürfen wir in diesem Buch erfahren.


Mein Eindruck

Vorneweg: Das Buch ist eigentlich ein Jugendbuch, Entsprechend "einfach" ist das Buch auch geschrieben. Wer tiefgehende Dialoge erwartet ist hier Fehl am Platz. Da sich die Handlungen aber in erster Linie zwischen Fünftklässlern abspielen, muss das aber auch gar nicht sein.

Ich muss sagen, es war sehr erfrischend mal wieder ein Jugendbuch zu lesen.

 

Die Story des Buches dreht sich ganz und gar um den kleinen August. Ein sehr seltener Gendefekt, hat sein Gesicht dermaßen entstellt, dass er seit jeher mit Ablehnung und Ausgrenzung durch Fremde leben muss. Aus diesem Grund wurde er bisher zu Hause von seiner Mutter unterrichtet. Dies soll sich jetzt aber ändern und August soll das erste Mal in seinem Leben ein richtige Schule besuchen. Und genau davor hat er bzw. hat seine Familie Angst.

 

Das Buch kommt quasi im Tagebuch-Format daher. Der kleine August beschreibt aus der "Ich"-Perspektive was er erlebt und fühlt. Und zwar in oftmals noch kindlichen und einfachen Worten.

Ich bin zwar durchaus ein Fan von schön ausformulierten Sätzen, aber hier hätte nichts anderes gepasst. Ich bin direkt im Buch "angekommen".

 

August beschreibt das Erlebte ohne große Umschweife. Entsprechend nimmt die Story auch schnell Fahrt auf bzw. es gibt im Buch kaum Stellen, an denen "nichts" passiert. Es geht immer weiter. Gleichzeitig merkt man schnell, dass August einen feinen Sinn für Humor hat und viele Dinge erstaunlich gelassen nimmt. Und mit "Dinge" meine ich Mobbing.

 

Das Thema Mobbing zieht sich durch das komplette Buch. Einmal sehr subtil, ein andermal ganz offensichtlich. Mobbing hat viele Gesichter und das wird im Laufe der Geschichte glasklar. Am eindrücklichsten fand ich tatsächlich die Momente des "unbewussten" Mobbings. Eine Stelle im Buch fasst dies auch gut zusammen: "Manchmal meint man etwas nicht böse, aber verletzt trotzdem jemanden".

In genau diesen Situationen hat das Buch die Thematik so greifbar gemacht. Die Atmosphäre wechselt ganz schnell in eine bedrückende Stimmung, die einen als Leser mitfühlen lässt.

 

Überrascht war ich als plötzlich die Perspektiven wechseln. Es gibt Abschnitte im Buch die aus Sicht von August Schwester oder Freunden geschildert werden. Für mich war dies eher eine zweischneidige Angelegenheit. So interessant die andere Perspektiven (damit verbunden auch immer ein anderer Schreibstil) sind, wirklich gefesselt hat mich (nur) Auggie's Perspektive.

 

Ein weiterer Punkt der mir nicht so gut gefallen hat, ist die "heile Welt". Klar, Auggie hat es wirklich nicht leicht - aber seine Schwester, seine Eltern und weitere Charaktere sind zu perfekt. Sie sind über alle Maßen einfühlsam, verständnisvoll und opfern sich quasi für Auggie auf. Und so schön dass auch ist, es war für mich einfach zu viel. Etwas zu viel - naja, sagen wir -  "amerkanischer Kitsch". 

 

Ich möchte aber noch etwas Positives anmerken. Für mich persönlich war es total schön dieses Buch gelesen zu haben. Denn es spielt aus der Sicht von Kindern. Und Kinder haben oftmals noch einen so freien, unbedarften und offenen Geist, dass Sie einfach nur süße Gedanken haben. Davon gab es im Buch eine Menge - und der Blick auf die Welt ohne diese "Erwachsenen-Brille" war wirklich herzerwärmend! 

Beispiel gefällig? Auggie ist zum Beispiel der Meinung, dass es eine Regel geben sollte, dass jeder Mensch in seinem Leben mindestens einmal Standing Ovations bekommen sollte.

Ich denke da kann man nicht widersprechen, oder? :-) 

 

Bewertung

Dieses Buch ist kein "Wunder". Aber es ist wunderschön und beleuchtet gleichzeitig ein sehr ernstes Thema. Ich plädiere dafür, dass dieses Buch Schullektüre sein sollte. Mobbing ist Scheiße! Und in diesem Buch kann jeder noch etwas Lernen wie wir damit umgehen sollten.

Ja, manches hat mir nicht so gut gefallen, aber die positiven Aspekte überwiegen doch sehr deutlich. 

 

8/10 Seiten

 

Fakten

Autor: Raquel J. Palacio

Verlag: dtv

ISBN: 9783423625890

 

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