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Rezension - Friday Black

Worum geht's?

 

In 12 Kurzgeschichten/Novellen zeichnet der Autor Nana Kwame Adjei-Brenyah ein überspitztes und teilweise auch grotesk anmutendes Bild der amerikanischen Gesellschaft in einem Sumpf von Rassismus und Konsumgeilheit. Die vielfältige Mischung an Storys wurde in den USA als "kraftvolles Debüt" gefeiert und lässt den Leser "the greatest nation on earth" aus einem anderen Blickwinkel entdecken.


Mein Eindruck

 

Da ich bisher noch keine Kurzgeschichten-(Sammlung) gelesen habe, bin ich mal ganz frei und ohne Erwartungen an das Buch herangegangen.

 

Was man beim Lesen schnell feststellt: Der Autor hat einen sehr eigenen, kreativen Ansatz! Obwohl sich die Storys um ähnliche Themen drehen, wird einem überhaupt nicht langweilig. Unterschiedliche Erzählperspektiven, verschiedene Tempi und ein guter "Genre-Mix" - von Dystopie bis nüchterner Komik ist eigentlich alles dabei. Trotz des begrenzten Seitenumfangs gibt es ein paar richtig gute Spannungsbögen und zum Teil auch komplexere Charaktere. Der Autor zeigt sein handwerkliches Können - aber nicht um des Zeigens willen, sondern oftmals gut abgestimmt auf die Atmosphäre der Story.

 

Das heißt jetzt nicht das alle Geschichten großartig sind. Um ehrlich zu sein gibt es einige, die ich einfach nicht verstehe. Sie sind kreativ, aber ich verstehe den tieferen Sinn dahinter einfach nicht. Andere Geschichten sind wiederum einfach nur verstörend.

Das Buch ist insgesamt sehr abwechslungsreich und innerhalb dieser zwölf Geschichten kann man erahnen wie es ist in der heutigen amerikanischen Gesellschaft (als Schwarzer) zu leben und aufzuwachsen.

Drei Geschichten sind mir dabei besonders in Erinnerung geblieben:

 

Direkt die erste Geschichte "Finkelstine Five" fand ich großartig, da Sie mit einer guten Mischung aus lockerer Sprache und hartem Realismus glänzt. Es geht um Alltagsrassismus - und um Wut. Wut aufgrund von Ungerechtigkeit, Wut aufgrund des Gefühls ein Mensch "zweiter Klasse" zu sein. Gerade im Angesicht dessen was in den USA ganz aktuell passiert (#blacklivesmatter), erscheint die Story nochmal in einem anderen Licht und lässt jemanden wie mich erahnen, wie es sein muss als eine Person of Color in den USA zu leben. Ich habe beim Lesen tatsächlich gemerkt wie sich mein Körper angespannt hat!

 

Ebenfalls großartig fand ich die Geschichte "Zimmer Land". 

Auch hier wählt der Autor einen sehr direkten und offensichtlichen Ansatz. Es geht um Vorurteile gegenüber Schwarzen bzw. fremden Minderheiten. Dies kommt aber überhaupt nicht plump daher, sondern wird geschickt mit einer kapitalistischen Idee und der (amerikanischen?) Eigenheit, nicht die Ursache, sondern das "Ergebnis" lösen zu wollen, verknüpft.  Ein interessanten Szenario, bei dem es mich tatsächlich nicht wundern würde, wenn es in Zukunft Realität werden würde.

 

Die dritte Geschichte, die ich hervorheben möchte, ist die titelgebende: "Friday Black". 

Im Nachhinein wenig überraschend (man drehe den Titel einmal) beschäftigt sich diese Story mit dem kranken Konsumismus der in den USA offensichtlich vorherrscht. Ja, die Story ist übertrieben - aber hat ganz sicher auch einen wahren Kern. Es treffen perverse Konsumgeilheit und berechnender, fast schon nüchtern anmutender Kapitalismus aufeinander. Eindringlich!

 

Was durchgehend alle Geschichten gemein haben, ist die Tatsache das die (Haupt)-Figuren das Bedürfnis nach Sicherheit, Nähe und Geborgenheit haben. Das ist nur allzu menschlich, aber dass es trotz der vielen Gewalt in den Geschichten so deutlich herausgearbeitet wird, stimmt mich als Leser untergründig glücklich :-)

 

 

Bewertung

 - der Verlag hat mir dankenswerterweise ein Rezesionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst meine Bewertung nicht - 

 

Einige Storys habe ich nicht gecheckt, einige sind einfach nur verstörend, andere sind aber auch schlichtweg großartig. Der Autor hat nicht nur eine interessante Sprache, sondern hat es auch geschafft seine Charaktere, trotz begrenztem Seitenumfang, lebendig wirken zu lassen und mit einer guten Mischung aus Komik, Dystopie und Realismus seine Message rüberzubringen. Einige Geschichten haben mich wirklich bewegt und ich bleibe mit vielen Gedanken zurück. Von meiner Seite eine klare Leseempfehlung - nicht nur im Kontext des aktuellen Geschehens.

Tipp: Am besten nur eine Geschichte pro Tag lesen. So bleibt Zeit zur Reflektion (was manchmal wirklich nötig ist!) und man hat trotz des geringen Umfangs ein paar Tage was davon.

9/10 Seiten 

 

Fakten

Autor: Nana Kwame Adjei-Brenyah

Seitenzahl: 232

Verlag: Penguin Verlag München

ISBN: 9783328601296

 

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Einfach & genial!

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