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Rezension - Das Labyrinth des Fauns

Worum geht's?

 

Die kleine Ofelia zieht mit Ihrer Mutter in die Berge Nordspaniens - zu Ihrem neuen Stiefvater, der dort als Soldat gegen Partisanen kämpft.  Getrübt durch das unbarmherzige und harte Leben findet Ofelia im nahegelenen Wald Zuflucht. Dort trifft Sie auf zauberhafte Wesen und betritt eine eigene, phantastische Welt.


Mein Eindruck

 

Bevor ich mit dem Buch begonnen habe war ich mir sicher, dass es sich dabei um ein Jugendbuch handelt. Eine schöne, typische Fantasygeschichte mit allerlei Magie und Fantasie eben.

Nun, ohne zuviel vorweg zu nehmen - beim ersten Teil habe ich mich komplett getäuscht!

 

Das liegt zuallerst an der Rahmenhandlung des Buches. Es spielt im faschistischen Spanien zur Zeit der Franco-Diktatur gegen Ende des zweiten Weltkriegs. Also eine Zeit in der Folter und Gewalt gegen andere Menschen keine Seltenheit ist. Keine leichte Jugend-Literatur, zumal es einige Stellen im Buch gibt, in denen es durchaus brutal zur Sache geht.

 

Inmitten dieser unbarmherzigen Welt spielt die Geschichte der kleinen Ofelia. 

 

Sie ist ein verträumtes, phantasievolles Mädchen, welches gerne Bücher liest und seit dem Tod Ihres Vaters um diesen trauert und sich nach Wärme & Geborgenheit sehnt. Im Buch wird hier sehr schnell ein klarer Kontrast zwischen der Gefühlswelt von Ofelia und der Außenwelt deutlich. Die Autorin zeichnet hier ein sehr klares "hell/dunkel" Bild, welches durch den Antagonisten - Ofelias neuem Steifvater - noch verstärkt wird.

Dieser ist als Kommandant seiner Truppe kalt, berechnend und brutal. Das absolute Gegenteil von Ofelia. Eine sehr typische und offensichtliche "Held vs. Antiheld-Aufteilung", bei der mir im Endeffekt etwas die Überraschung gefehlt hat.

 

Die Handlung selbst ist größtenteils eher einfach und direkt. Ich bin kein Fantasy-Vielleser, aber mir hat an einigen Stellen ein bisschen das phantasievolle Touch gefehlt. Es hat sich so angefühlt, als würden einige Dinge passieren, "weil das jetzt halt so passiert". Fantasievolle Wesen und "Magie" kommt natürlich trotzdem vor. Und davon auch viel - Fantasyliebhaber sollten also keine Sorge haben! Ich fand vieles aber leider zu absehbar.

Den Überraschungseffekt hatte ich tatsächlich eher bei einigen Stellen in denen es um die Rahmenhandlung ging, die für mich zum Teil spannender war als die Story um Ofelia. Obwohl ich beim Lesen mit Ofelia sympathisiert habe, fand ich den Charakter des Stiefvaters deutlich interessanter.

 

Aufgelockert wird das Ganze durch einige kurze Fabeln oder Märchen, die Geschichten aus einer fantasievollen "Parallelwelt" erzählen. Diese kleinteiligen Einzelgeschichten fügen sich Stück für Stück zusammen und bringen eine angenehm abwechslungsreiche Komponente in das Buch, auch wenn der Bezug zur Haupthandlung für meinen Geschmack etwas zu offensichtlich war.

 

Der Schreibstil ist grundsätzlich recht klar und mit ausreichender Detailfülle. Es gibt aber auch ein paar wirkich Highlights! Bei einigen Beschreibungen schafft es die Autorin durch geschickte und passende Bildnisse genau die richtigen Gefühle herüberzubringen und gibt dem leser damit die Chance noch besser in die Geschichte einzutauchen.

Zudem gibt es über das Buch verteilt ein paar wirklich schöne und starke Sätze. Es sind Sätze die total plötzlich in mitten der Handlung auftauchen und der Geschichte von einem Moment auf den anderen eine unfassbare Tiefe geben.

Einige dieser Sätze habe ich bewusst zweimal gelesen und Sie mir zum Teil auch aufgeschrieben.

Wirklich großartig! 

 

Bewertung

Klar gesagt: Das Buch hat mich nicht umgehauen. Ich habe es dennoch gerne und zügig gelesen und war absolut nicht gelangweilt. Das lag zwar eher an der Rahmenhandlung, als an der phantasievollen Hauptgeschichte, aber ein richtiger Fantasy-Fan werde ich wohl auch einfach nicht mehr. Man darf allerdings auch nicht vergessen, das es wenig Spielraum für die Autorin gab, da Sie einen bestehenden Film adaptiert hat. Mehr als die Geschichte selbst, hat mich das Schreiben von Cornelia Funke begeistert. Das war zum teil wirklich "ganz großes Kino".

Gutes Stichwort: Den Film werde ich mir mal anschauen :-)

 

7/10 Seiten 

 

Fakten

Autorin: Cornelia Funke

Seitenzahl: 317

Verlag: Fischer Sauerländer

ISBN: 9783737356664

 

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Einfach & genial!

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